Der Preis der Macht. Mussorgskys Boris Godunow

Shownotes

Boris Godunow ist die radikalste russische Oper des neunzehnten Jahrhunderts und ist es vielleicht bis heute geblieben. Nahezu vollständig abgewandt von europäischer Ästhetik und Erwartungshaltung ist sie ein rein politisches Werk, das in seiner Urfassung sogar ganz ohne Liebesgeschichte auskommt – bis dahin eine vollkommen singuläre Erscheinung in der Musikgeschichte. Gleichzeitig ist sie eine große Mahnung davor, wie Macht die Mächtigen genauso vernichtet wie die Machtlosen, ein Fanal gegen Machtmissbrauch und Despotismus. Mussorgsky beklagt in seinem Meisterwerk das Schicksal und die Unterdrückung des russischen Volkes und besingt die Schönheit seiner Seele und Kultur.

Sind das vielleicht Themen, die uns heute mit erneuerter Dringlichkeit beschäftigen sollten?

Thomas und Philipp sprechen über den historischen Hintergrund von Boris Godunow, über die musikhistorische Bedeutung der Oper, über die Handlung, die vielen verschiedenen Fassungen, die komplexe Aufführungsgeschichte und über die tragisch-geniale Figur ihres Schöpfers: Modest Petrowitsch Mussorgsky.

Bücher zum Thema: David Brown: Mussorgsky: His Life and Works. Oxford 2002 Attila Csampai und Dietmar Holland (Hg.): Modest Mussorgskij: Boris Godunow. Reinbek bei Hamburg 1984 Caryl Emerson & Robert William Oldani: Modest Musorgsky & Boris Godunov: Myths, Realities, Reconsiderations. Cambridge University Press 1994

Aufnahmen: Gergiev, Mariinskytheater. Beide Fassungen in einer Einspielung Abbado, Berliner Philharmoniker. Zweite Fassung Nagano, Göteborg Symphonieorchester. Urfassung Rostropovich, National Symphony Orchestra. Mischfassung mit allen Szenen aus beiden Fassungen Karajan, Wiener Philharmoniker. Rimsky-Korsakov-Fassung

Am 8.9.2026 erscheint Thomas neuer Roman „Schwestern“ im S. Fischer Verlag – nicht unwesentlich beeinflusst von Heimito von Doderer.

Info und Vorbestellung: https://www.fischerverlage.de/buch/thomas-von-steinaecker-schwestern-9783103976434

Philipps Aufnahme der Fünften Symphonie von Gustav Mahler mit dem Mahler Aacdemy Orchestra ist jetzt Alpha-Classics erschienen! Es handelt sich dabei um die erste Einspielung auf den Originalinstrumenten, die Mahler zwischen 1897 und 1907 für das Orchester der Wiener Hofoper anschaffen ließ – es sind die Jahre, in denen Doderers Romane in Wien angesiedelt sind. ⁠https://lnk.to/Mahler5OnPeriodInstrumentsAr⁠ 

Album-Info und Vorbestellung: ⁠https://outhere-music.com/de/alben/mahler-symphony-no-5-period-instruments⁠

Philipp wird mit dem Mahler Aacdemy Orchestra und der Neunten Mahler im September auf Europatournee sein. Hier der Link zu den Konzertdaten: https://www.busoni-mahler.eu/academy/de/originalklang-project-de/

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00:00:02: Einfach kompliziert,

00:00:18: einfach kompliziert.

00:00:19: Man hat von ihnen schon mal gehört, sie vielleicht sogar im Regal stehen oder könnte sie zumindest innerhalb von Sekunden runterladen.

00:00:26: Mahlers neunte Symphonie

00:00:27: Marcel Proust auf der Suche nach der verlorenen Zeit

00:00:30: Ludwig van Beethoven's Mr.

00:00:32: Solemn ist die Romane

00:00:33: von Haimito von Doderer und Robert Musil

00:00:36: Die Werke von Arnold Schönberg und Karl-Heinz Stockhausen.

00:00:38: Aber

00:00:39: man schreckt vor ihnen zurück Zu

00:00:41: schwierig zu lang

00:00:42: Auf jeden Fall zu lange her.

00:00:45: Ich bin Philipp von Steinecker Dirigent & Chillist

00:00:47: Und ich bin Thomas von Steinerker Schriftsteller und Filmemacher.

00:00:51: Wir sind Cousins, und seit unserer Kindheit diskutieren wir manchmal auch sehr kontrovers über die Werke aus Literatur und Musik, die uns begeistern und beschäftigen.

00:00:59: In unserem Podcast reden wir in jeder Folge über ein Werk das landläufig als Sperrig gilt aber an dessen Relevanz wir glauben

00:01:06: oder doch zumindest einer von uns.

00:01:08: Denn daran sind wir uns einig – Das komplizierte wird einfach wenn man dafür brennt!

00:01:19: Was

00:01:20: ist

00:01:21: deine erste Assoziation zu Boris Godinov von Modest Musorgsky?

00:01:29: Meine erste Association ist bei diesem Stück eine Erinnerung, die ich habe.

00:01:34: Eine Aufführung für einen russischen Kuppel über eine dunkle Palastenmauer hinausragte und das war in der Bayerischen Staatsoper von der Urfassung, jetzt sage ich schon mal gleich dieses Wort was uns noch begleiten wird.

00:01:51: Und das erinnere ich vor allem von dieser Aufführung visuell und immer wenn ich an dieses Stück denke kommt mir diese golden leuchtende wunderschöne Kirchenkuppel in den Sinn.

00:02:02: Das ist hochinteressant weil lustigerweise hatte ich mir überlegt das Wort silbergrau also nicht gold sondern silbergrau dass es das was mehr als erstes in den sinn kommt weil es ja doch ein total düsteres Stück ist, also es gibt wirklich wenige Lichtschimmer in diesem ganzen Stück für mich persönlich.

00:02:23: Die gibt's aber und die färben dann tatsächlich dieses grau-schwarz.

00:02:27: was über dem ganzen Stück liegt für mich so in einem Silberton der auch einen sehr attraktiven Glanz hat, aber eben silbergrau das kann man glaube ich nicht über sehr viele Stücke so sagen.

00:02:40: vielleicht war diese Inszenierung damals in München toll getroffen.

00:02:45: Diese Dunkelheit auf der Bühne und es ist vielleicht die russischste Musik, die man sich überhaupt denken kann.

00:02:51: ich muss dazu eigentlich kein russes sprechen aber man kann sich nichts irgendwie russischeres oder idiomatischeres vorstellen als diese Musik in allen ihren Facetten ist.

00:03:03: mein Gefühl und diese Dunkelkeit die in diesem Stück herrscht hat natürlich auch mit der Geschichte zu tun Stück das in einer Zeit entsteht, ja es sind so die späten achtzendsechziger Jahre, frühen achtzendsiebziger jahre.

00:03:19: Natürlich dass in Deutschland gibt's da schon den Tristan und da gibts schon die Meistersinger usw.

00:03:25: In Russland gibt´s das alles noch nicht.

00:03:27: auch Wagner hat noch nicht so richtig den Weg nach Russland gefunden.

00:03:30: Das passiert dann erst einige Jahre später.

00:03:33: Aber Mossoxi schreibt hier ein Stück, das wahnsinnig modern ist in vieler Hinsicht.

00:03:39: Jetzt gar nicht mal so sehr dass man jetzt denkt wow irgendwie Atona eine Musik oder so.

00:03:43: das natürlich gar nicht.

00:03:44: aber von der ganzen Konzeption ist es so visionär geradezu und desillusioniert politisch sehr gewagt.

00:03:53: also ich finde es ein absolut großartiges Stück.

00:03:57: aber ich würde dich gerne noch fragen seit wann kennst du dieses Stück?

00:04:00: Oder wie bist du dazu gekommen?

00:04:02: Ja, noch nicht so lange tatsächlich.

00:04:04: Ich glaube ich habe vor zwei drei Jahren mir mal im Zuge eines neuen Versuchs meine Bildungslücken zu schließen eine Aufnahme gekauft und unser Podcast heißt der Einfach Kompliziert.

00:04:15: Du hast jetzt quasi eine Lanze gebrochen für das Stück und irgendwie auch gesagt warum dein Zugang so einfach quasi ist.

00:04:22: Und für mich als ich damals vor paar Jahren das Stück zum ersten Mal gehört hab Ich hab's nie live gehört, muss ich gleich dazu sagen.

00:04:29: Ich bin einfach überhaupt nicht

00:04:31: reingekommen.".

00:04:31: Es war wirklich kompliziert für mich und das hängt auch vielleicht mit den Punkten zusammen die du als revolutionär und innovativ rausgestellt hast.

00:04:40: entgegen dem Titel hat es ja jetzt nicht wirklich einen Helden.

00:04:44: also weder positiv noch dass der jetzt einzig im Mittelpunkt steht sondern es splittet sich so zwischen verschiedenen Figuren auf.

00:04:52: Das ist total verwirrend zumal wenn man nicht des russischen mächtig ist und dann die Aufnahme hört, wo die Stimmen doch ziemlich für mich dann ununterscheidbar werden.

00:05:01: Viele

00:05:02: Besse

00:05:03: als Lein!

00:05:03: Ja ja eben

00:05:04: es gibt viele Besse und die singen auch auf gleichzeitig...ja das stimmt.

00:05:08: Genau und es hat auch nicht ...wenn wir jetzt in der Zeit bleiben du hast den Tristan erwähnt man kann ja auch Verdi ins Feld führen.

00:05:15: Es hat jetzt nicht die große Aria für die die Opa besonders bekannt wäre oder Ein Stück, was losgelöst von der Oper eine eigene Karriere gemacht hätte.

00:05:25: Sondern es ist wahnsinnig kompakt irgendwie und man kriegt da schwer das Ohr oder den Finger rein hatte ich das Gefühl.

00:05:32: Und jetzt tatsächlich durch die Beschäftigung mit dem Podcast war das erste Mal, muss ich gestehen, dass ich überhaupt die Handlung richtig verstanden habe?

00:05:40: Weil die Handelung geht ja noch weiter!

00:05:43: wenn es eine komplizierte Handlung gibt, dann bei dieser Oper.

00:05:47: Also insofern ...

00:05:48: Kompliziert nicht so wie bei Trovatore oder Forza, wo die Handlung einfach keinen Sinn macht und man deshalb den ganzen Abend letztendlich nichts versteht, sondern kompliziert im Sinne dass das ist vielleicht auch weil die Vorlage sehr toll gemacht ist oder zumindest sehr visionär gemacht ist vom Pushkin.

00:06:09: Kompliziert war alles quasi nur so.

00:06:11: Fragmente sind.

00:06:12: Es ist wie eine Collage von Injetten, von Szenen die bestimmte Zustände zeigen aus denen man sich dann selber die Geschichte zusammenreimt.

00:06:22: also allein das finde ich wahnsinnig modern.

00:06:25: für die Zeit fällt mir nichts anderes ein.

00:06:28: was so ist fühlt sich schon nach Tschechow an oder so.

00:06:31: und natürlich du hast es schon gesagt es gibt keine Helden es gibt bestenfalls einen Anti-Helden.

00:06:36: aber diese Figuren Das ist natürlich der Boris, aber die Figuren sind auch... Die sind einfach dargestellt und da ist gar nicht so wahnsinnig viel Wertung drin.

00:06:46: Also ich kenne das Stück eben seit ... Ich habe es damals einmal gesehen, kann ich mich erinnern dass sich das auch schwer fand reinzukommen an dem Abend Aber dass ich dann zutiefst beeindruckt war danach.

00:06:58: Ich hatte aber ... Wann war das?

00:07:00: Siebenund Achtzig war ich in der Sowjetunion So alt bin ich schon.

00:07:05: Ja, schon.

00:07:07: Da habe ich mir eine Schallplatte mitgebracht.

00:07:10: Ich glaube das ist mit Boris Christoph der die großen Monologe, den Sterbemanolog von Boris singt.

00:07:17: und das war in so einer Zeit für mich wo ich einfach so wenn ich Platten hatte dann hab' ich die hundertmal angehört.

00:07:22: einfach so neben Hausaufgaben, neben Aufstehen, neben immer.

00:07:27: Und diese Stücke, die hat man dann ... Das merke ich jetzt.

00:07:29: Die hat man einfach für immer drin.

00:07:33: Da haben wir eine sehr ähnliche Erfahrung, weil ich hatte ne Platte mit Gjaurov der russische Aryen singt und da kommen wir am Schluss drauf.

00:07:41: Mein Lieblingsstück aus der Oper war auf dieser Platte drauf, wo eben Borodin und andere Sachen drauf waren.

00:07:47: Und das war wahrscheinlich deswegen auch mein Lieblungsstück, weil es mich als Kind so eingeprägt hat, dass mir das sofort ins Ohr gegangen ist im Gegensatz zu den anderen Stücken aus der Oper, die weiß nicht ob du mir dazustimmst.

00:08:00: Es braucht schon mehrmaliges Hören bis da was dann wirklich hängen bleibt.

00:08:04: Das stimmt so und ich hab jetzt nämlich auch durch die Beschäftigung für das Podcast habe ich sie noch mal wirklich viel angehört und war dann erstaunt dass sich nicht so schnell reinkam wie ich dachte.

00:08:14: Aber ich glaube, ich habe auch ziemlich viel verstanden.

00:08:18: Auch jetzt im Lesen darüber, warum das so ist und es wird auch interessant sein, darüber zu sprechen.

00:08:23: wie kommt es zu diesem Stil?

00:08:25: Ich kenne zum Beispiel die Kovanschina, die andere große Oper von Moskauksi, kenn' ich viel besser...

00:08:30: Na dieser noch komplizierte!

00:08:32: Naja genau, ich dachte auch immer naja, das ist der spätere Stück.

00:08:35: Das werden wir nicht

00:08:36: drüber reden aber das ist ja mit Hauptfigur und so wird's ja dann noch schwieriger.

00:08:41: Das ist vielleicht ein bisschen schwierig.

00:08:42: Aber ich hab das jetzt auch noch mal angehört, mit größten Vergnügen muss ich sagen und es ist viel einfacher anzuhören!

00:08:50: Dieser

00:08:50: Musorgski lasst uns ganz kurz mal eine Idee geben von wem das Stück über das wir sprechen stammt?

00:08:58: Das ist ja auch wirklich wenn wir von einem Antihelden- und einem Sprödenstück sprechen... ...das setzt sich ja auch in der Figur des Komponisten der Oper fort Wenn wir über Kindereindrücke sprechen.

00:09:10: Ich hatte eben diese Platte von Gjaurav mit russischen Arien und ich hatte eine Reihe großen Komponisten, hieß die.

00:09:16: Wo es jede Woche einen ... Du auch?

00:09:19: Hatt ich auch.

00:09:20: Ein Heft gab mit einem Stück was man kennen muss Und dann gab es als Sampler eine Folge russische Stücke.

00:09:28: Ich glaube, das war Borodin Musorgsky ein Nacht auf dem Kahlenberg.

00:09:31: Ich glaub', dass kennen ja auch viele weil's auch viel so in Filmen benutzt wurde und in diesem Heft war ein Gemälde drin vom Musorgski.

00:09:39: Sehe ich heute noch vor mir was mich so verstört hat als Kind?

00:09:42: Ein Bild von Repin also der bekannteste russischem Maler im neunzehnten Jahrhundert hat den Musorgski kurz vor seinem Tod im, ja was war das letztlich ein Irrenhaus oder so'n Pflegesanatorium besucht und Musorgsky war damals zweiundvierzig sah aber aus wie siebzig aufgedunsenes Gesicht wirre Haare Schlafrock ihrer Blick also wirklich komplett beängstigend.

00:10:07: Und ich glaube, das Bild fasst auch diese Tragik dieser Figur zusammen.

00:10:12: Also wenn man die Biografie liest und es gibt komischerweise jetzt nicht so die wirklich griffige toll zu lesende Biographie – das hat mich erstaunt bei der Vorbereitung!

00:10:22: Es gibt also die Standardwerke aber jetzt nicht irgendwie die große Biografien in denen man sich vergraben kann, weil man glaub' ich gar nicht so viel weiß über ihn.

00:10:30: Aber wenn man diese biografischen Punkte liest, denkt man sich die Musikgeschichte des voller tragischer Figuren Schubert und so weiter.

00:10:37: Das ist auch in einer sehr spezifisch russischen Ausprägung, würde ich jetzt mal behaupten!

00:10:42: kommt unter die Top-Ten der tragischen Figuren.

00:10:47: Ich meine sogar, dass das Bild am Tag vor seinem Tod entstanden ist.

00:10:51: Das schaut auch aus

00:10:52: ja.

00:10:52: Also es ist wirklich ein Stadium.

00:10:54: also wir können das schon mal gleich und er war schwerster Alkoholiker und ist daran auch zugrunde gegangen

00:11:00: zu Tode gesoffen wie man so sagt

00:11:02: genau und zwar mit größter Zielstrebigkeit.

00:11:05: dann irgendwann Aber gehen wir mal zurück in die Jugend.

00:11:08: Also Mussorgsky geboren, achtzehnneununddreißig?

00:11:12: Nicht in einer der Metropolen sondern auf dem Land das ist glaube ich auch wichtig.

00:11:17: also es eigentlich sein Leben lang auch schon topografisch ein Außenseiter gewesen er von außen kommt und was mich auch erstaunt hat das ist dann gleich auch eine Frage an dich komplette Autodidakt weil sich habe nichts über seine Ausbildung gefunden, dass er jetzt bei einem großen Lehrer irgendwie Unterricht hatte.

00:11:35: Ist das für die damalige Zeit so normal oder ist es?

00:11:39: Das ist eine sehr gute und sehr wichtige Frage, die mit ihr auch noch wenn ich darf nochmal noch ein bisschen zurückstellen weil die wird sehr entscheidend sein.

00:11:47: diese Frage also er kommt... Ich habe das mal auf Google Maps nachgeguckt wo er da herkommt.

00:11:53: Das sind vielleicht fünf Häuser um so ein See drum herum.

00:11:59: Er kommt wirklich vom Land, man muss sich vorstellen ungefähr auf halber Höhe also zwischen heutigen Moskau und Weißrussland Grenze da so Richtung Westen von Moskauer ungefähr.

00:12:11: Da kommt er her.

00:12:12: der Vater ist wohlhabend Grundbesitzer vor allem.

00:12:15: Und die Mutter, gute Pianistin sehr musisch der Junge ist das vierte Kind kriegt auch dann sofort Klavierunterricht hat dann auch später eine deutsche Guvernante, die auch mit dem Deutsch spricht und immer aber auch Klavier Unterricht gibt usw.

00:12:31: beiden jüngsten Söhne, glaube ich dann so groß und sind beide recht begabt.

00:12:35: Dass die Eltern sagen gut sie müssen nach St.

00:12:37: Petersburg, die können jetzt hier am Land nicht weiter erzogen werden.

00:12:41: Und die kommen dann in so eine Kadettenschule in St.

00:12:44: Petersburg also eine Militärschule und lernen da weiter... Die Familie mietet dann oder kauft ein Wohnung in St.-Petersburg.

00:12:52: Die Mutter geht mit den Jungs dahin Erzogen.

00:12:58: Und in diesem Umfeld, in St.

00:13:00: Petersburg stellt sich dann beide heraus das Mussorgsky sehr begabter Pianistis und er wird auch gleich irgendwie gefördert von verschiedenen Personen und er kommt mit zwei Leuten in Kontakt die für ihn sehr wichtig sind.

00:13:15: und ich muss gestehen den einen Namen obwohl der anscheinend ein berühmter Komponist ist Dargo Mischki, den wird er vorgestellt und der ist ein großer Fan von dem bis dahin vielleicht berühmtesten russischen Komponisten Michael Glinker.

00:13:29: Der führt ihn in die Musik von Glinker ein.

00:13:32: Und dieser Dargo-Mischi, der auch selber eine Oper geschrieben hat, die dann nicht gut ankam und der hat sich so zurückgezogen aus der ganzen Musiksehen aber der hat einen Salon wo er gleichgesinnte einlädt.

00:13:45: In diesem Salon trifft Mussorgsky, im Grunde alle die für ihn irgendwann mal wichtig werden.

00:13:50: Und da ist der erste und das ist beantwortet vielleicht eine Frage ist der Balakirev.

00:13:56: Balakirrev war ein Komponist auch eher so Self-Tort wie man sagt nicht nur aber und Balakiraev.

00:14:04: in diesen Jahren scharrt er um sich eine Gruppe von Komponenten die dann in Russland Diese Namen kennt man ja irgendwie auch das mächtige Häuflein genannt.

00:14:13: Ja, ich

00:14:14: liebe diesen Ausdruck!

00:14:15: Das Mächtige-Häufleinn.

00:14:16: Die

00:14:16: mächtigen wenigen, das soll es nicht heißen also weniger wie aber viel ausmachen.

00:14:22: Davon kennt man heute eigentlich neben Musorgsky nur noch zwei wenn man ehrlich ist.

00:14:27: Genau.

00:14:27: Borodin und Rimsky Korsakov.

00:14:29: Immerhin?

00:14:30: Zwei große

00:14:31: Komponisten?

00:14:32: Wobei wahrscheinlich Musorgski tatsächlich der ist von den Fünf am bekanntesten heute

00:14:39: ist.

00:14:39: Heute schon damals ganz sicher Rimsky war sicher derjenige, der den größten Erfolg hatte und auch den meisten Einfluss.

00:14:48: später dann der Lehrer von Stravinsky wurde usw.

00:14:52: Jedenfalls – und das ist für unsere Geschichte wichtig ist in diesem Kreis, in diesen mächtigen Häuflein aber auch bei den Zvorenen von Dargo Mischki geht es darum eine russische Musik zu schaffen die wirklich zutiefst russisch ist.

00:15:07: und das kann man durch mehrere also in der Meinung dieser Komponisten durch mehrere Dinge erreichen.

00:15:12: Erstens nicht aufs Konservatorium gehen Bach und Kontrapunkt, Mozart und Mendelssohn studieren?

00:15:20: Naja ich glaube das ist auch wichtig was du sagst.

00:15:23: Es gab so ein deutsches Feindbild.

00:15:24: damals war natürlich die deutsche Musik damals die Dominierende war von der man sich dann unbedingt absetzen wollte und

00:15:32: musste.

00:15:32: Natürlich Nationalismus war überall wichtig aber für diese Komponisten geht es wirklich darum auch ihre Stimme zu finden Und da gibt es so eine ganz klare Aufteilung in der russischen Musikwelt.

00:15:42: Das ist eben dieses mächtige Häuflein Balakirev, Borodin Musorgsky, Rimsky und Kui.

00:15:49: Und auf der anderen Seite ist es der große Rubinstein – also nicht der polnische Pianist sondern der rossische Pionist und Komponist, der Gründer des Moskauer Konservatoriums, der dann auch später der Lehrer von Tchaikovski wurde und deren ganze Schule die eher so in einem französisch-europäischen Stil komponieren und zum Beispiel kleine Klammer, also Tchaikovsky Geräte ein bisschen zwischen die Fronten.

00:16:15: Der wäre eigentlich auch gerne auf dieser Seite mit gewesen aber seine Ausbildung ist halt schon zu westlich und zu konventionell sodass dieses mächtige Häuflein ihn nicht haben wollen.

00:16:26: Und dieser Balakiref war eben der Lehrer von Mussorgsi ihm schon so Ton-Satz und so Sachen beigebracht.

00:16:34: Aber eben nur so unter dem, das was er halt so wusste und es war ganz stark so intuitiv und Mossoxi war aus sein ganzes Leben stolz drauf diese Bildung nicht zu haben weil er das Gefühl hatte ähnlich wie zum Beispiel auch Berlioz dass seine Musik so direkt aus seiner russischen Seele kommt, aus seinem Herzen.

00:16:51: Ein Naturtalent sozusagen?

00:16:54: Genau und dass er quasi dem Russischen in sich trauen kann... Und nicht verfälscht ist!

00:16:58: Nicht westlich verfälschte es auch in der Sandwelle natürlich.

00:17:01: Genau weil diese Themen ja auch heute immer noch wieder in ganz anderen Kontexten eine Rolle spielen.

00:17:07: Hast

00:17:08: du was gefunden, was jetzt eigentlich seine konkrete Beschäftigung war?

00:17:12: ich hatte nur gelesen das er eigentlich nachdem man da Wie das damals so üblich war, als man Soldat gewesen war hat er in der Forstabteilung des Ministeriums für Landwirtschaft gearbeitet.

00:17:22: Worunter ich mir jetzt nicht sehr viel vorstellen konnte.

00:17:24: ob es ein Bürojob oder tatsächlich im Wald unterwegs war

00:17:30: Das war ein absoluter Bürojob.

00:17:32: Was er da genau gemacht hat, weiß ich auch nicht ... Nachdem er diese Kadettenschule abgeschlossen hat, war er im Militär zwei Jahre und war sehr gut aussehend, sehr beliebt bei den Damen aber hatte selber wohl weniger Interesse an Damen.

00:17:47: Das ist nicht so ganz klar.

00:17:49: Es

00:17:49: lässt natürlich viele Spekulationen heute ins Kraut schießen, was ob er homosexuell war.

00:17:55: Hast du irgendwelche Geschichten bezüglich Frauen, Männer oder irgendwas bei ihm gefunden?

00:18:00: Er hatte nie irgendwie eine engere Bindung anscheinend.

00:18:03: Das sicher nicht.

00:18:04: also es gibt so ein paar Anekdoten mit der Kusine dass die Umlappchen ineinander verliebt waren oder so.

00:18:11: Aber das klingt mehr so nach Familienlegenden.

00:18:14: Genau, und er hätte dann dieses Leben im Grunde so führen können als Offizier?

00:18:19: Man muss sagen, dass in dem mächtigen Häuflein die hatten glaube ich alle irgendwelche anderen Jobs also

00:18:23: zum Beispiel ... Ja, also Borotten hat mich immer sehr beeindruckt.

00:18:26: Da war ja wirklich Chemiker glaub ich ein sehr guter.

00:18:30: Genau da gibt es irgendeine Reaktion, die nach ihm benannt ist, die er entdeckt hat und so.

00:18:34: Nur Rimsky der Jüngste war, also noch mal deutlich jünger als Musokski hat dann einen Job gekriegt im Konservatorium.

00:18:41: Der wollte einfach nur Musik machen und der hat dann bald gemerkt, dass die Schüler, die er da unterrichten sollte viel besser sich in Kontrapunkt auskannten als er – das war dem natürlich zu blöd!

00:18:52: Und dann hat er richtig gebüffelt nachts und hat sich diese konventionelle Kompositionsausbildung beigebracht und hat das auch unterrichtet.

00:19:01: Das wollt ihr jetzt nur noch einschieben weil das nachher auch noch

00:19:04: wichtig ist?

00:19:04: Das wird wichtiger.

00:19:06: So und dann verlässt er die Armee

00:19:08: Naja, dann ist er in dieser Forstabteilung.

00:19:10: Aber das für uns Spannende ist ja ... Wie wird so jemand eigentlich Komponist?

00:19:14: Und das Überraschende für mich ist, dass er eigentlich bevor den Boristan anfängt zu komponieren mit Ende zwanzig wirklich nichts vorzuweisen hat.

00:19:24: Vor allem an fertigen Stücken.

00:19:25: Er fängt unglaublich viel an.

00:19:27: Genau.

00:19:27: Aber er hat jetzt nicht irgendwie ... Also Symphonie sowieso nicht.

00:19:30: Diese Nacht auf dem Karlen Berge hatte einen unterschiedlichen Fassungen versucht zu schreiben.

00:19:35: Dann hat der versucht eine Oper anzufangen Du weißt, wie man sie ausspricht.

00:19:39: Salambo?

00:19:40: Ja, die dann auch teilweise später in den Boris einfließt aber auch nicht fertig gekriegt.

00:19:45: und dann fängt er schon mit dem Boris an.

00:19:47: Gleich das erste Werk ist eigentlich sein nachträglich wichtigstes Werk.

00:19:51: Sein Rupus Magnum geworden.

00:19:53: Er hatte schon ziemlich viele Lieder geschrieben und das ist glaube ich auch wichtig für den Gruppenkomponisten natürlich.

00:19:58: Er weiß über Stimme.

00:20:00: Er hat ein bisschen Sachen probiert genau die Nacht auf dem Kallenberge also... Auch Orchester zu benutzen usw.

00:20:08: Es gibt noch ein Stück vor dem Boris, was wichtig ist und zwar ist es die Hochzeit nach Gogol.

00:20:13: von der Hochzeit schreibt er einen Akt.

00:20:14: das hat er nie orchestriert.

00:20:16: da gibts nur diese Klavierskizze Und das ist ein wirklich radikales Werk weil er hier.

00:20:21: und vorher hatten wir darüber gesprochen.

00:20:23: wie schreibt man eine wirklich russische Musik?

00:20:25: eben dass man Alles Westliche lässt man raus, aber man versucht auch Musik zu schreiben die vom Duktus von der Sprachmelodie her das Russische wirklich wiedergibt.

00:20:36: Nicht irgendwie schöne Melodien sondern wie man spricht.

00:20:39: so komponiert man also eine Art Rezitativ dass aber melodischer begleitet wird.

00:20:44: so muss man sich das vorstellen eigentlich ein bisschen wie Monteverdi das gemacht hat.

00:20:48: über den könnten wir auch mal sprechen.

00:20:49: übrigens

00:20:51: Ich fand diese Lieder, die ich mir dann auch angehört habe, wahnsinnig eindrucksvoll.

00:20:57: Die kennt man hierzulande überhaupt nicht.

00:20:58: Das ist eigentlich wie Schubert in russischer Schupert.

00:21:03: Wahnsinnig melancholisch.

00:21:06: Man ahnt schon, dass da eine sehr empfindsame und verletzte Seele schreibt.

00:21:12: Aber man hört sie hierzulande überhaupt nicht, wahrscheinlich auch einfach wegen der Sprache.

00:21:17: Das größte

00:21:17: ich noch nicht.

00:21:18: Ich war letzte Woche in einem Liederabend mit der Asmik Gregorian.

00:21:22: Die hat nur Tchaikovsky und Rachmaninov gesungen.

00:21:25: So ein ganzer Abend, wo ich noch nie eine Note von dieser Musik gehört hatte und alles wunderschön.

00:21:30: Na ja, also er schreibt diesen Akt?

00:21:32: Ja!

00:21:32: Und dann startet er aber schon mit dem Boris eben... Du hast das Eingangs schon erwähnt auf der Basis eines Stückes von Pushkin in großen russischen Nationaldichter.

00:21:42: Und das Stück wurde gerade erst eigentlich da von der Zensur freigegeben weil der Inhalt politisch eigentlich höchst brisant ist.

00:21:51: die Geschichte vielleicht wollen wir die kurz Rekapitulieren, also das historische Vorbild.

00:21:57: Es ist ja keine erfundene Geschichte was Pushkin da erzählt hat sondern es ist eine Geschichte die sich tatsächlich eignet hat.

00:22:03: aber wenn man sie liest in all ihrer Grausigkeit wie ein Drama von Shakespeare eigentlich wirkt.

00:22:08: Also in der blutigsten und erschreckendsten Variante, sechzehntes Jahrhundert, es ist einen Streit um die Nachfolge des Ivan des Schrecklichen.

00:22:18: Der hatte zwei Söhne du musst mich immer korrigieren wenn ich irgendwas durcheinander bringe anscheinend geistig zurückgeblieben war, jedenfalls irgendwie nicht fähig zu regieren.

00:22:28: Und dann ein wesentlich jüngerer Bruder von Fyodor Dimitri.

00:22:33: Irgendwie zwanzig Jahre Jünger oder so ja?

00:22:36: Verschiedene

00:22:37: Mütter.

00:22:38: Ich habe was von sieben Ehen gelesen.

00:22:40: Genau der Heinrich VIII.

00:22:43: Genau Shakespeare.

00:22:44: Und Ivan ist zu dem Zeitpunkt, wo die Geschichte einsetzt schon tot und legitimerweise ist Fyodor eigentlich der rechtmäßige Zahr, der aber aufgrund seiner Beeinträchtigung eigentlich nicht regieren kann.

00:22:56: Jedenfalls konzentriert sich alles auf den Dimitri als Kind.

00:23:04: Da hat es mir nicht ganz klar, aber er ist sowas wie der Ersatzzar in dem Moment.

00:23:09: Also er hat jedenfalls

00:23:10: hohe

00:23:10: Befugnisse und regiert eigentlich das Land ist aber nicht legitim.

00:23:15: Also doch, ich glaube er ist richtig eingesetzt als Vormund.

00:23:18: Aber

00:23:19: er ist nicht der legitime Zahr?

00:23:22: Genau!

00:23:22: Er kann...er ist das nur so lange der Dimitri nicht volljährig ist.

00:23:27: In dem Moment wo der Kleine erwachsen wird, wird er der Zahl werden.

00:23:30: aber in dieser Zwischenzeit hat Boris eben dieses Amt übernommen von Ivan der Gestorbenes.

00:23:36: Der hat ihn damit beauftragt und anscheinend macht er das sehr gut.

00:23:40: Das heißt, er hat Erfolg

00:23:41: im Amt?

00:23:41: Genau.

00:23:42: Er ist jetzt eigentlich ... Weil wir vorhin gesagt haben, Antiheld erscheint ein durchaus fähiger Herrscher gewesen zu sein.

00:23:48: und dann passiert etwas wo man bis heute eigentlich nicht weiß was genau passiert ist und wer da der Urheber war, wer der Täter war, der Dimitri ich glaube er ist elf wird mit aufgeschnittener Kehle in einem Hof gefunden tot womit Boris Gordinov quasi jetzt legitimer Zah wäre.

00:24:07: Und es kommt dann auch zu grausigen Szenen.

00:24:10: Das Volk ist irgendwie völlig aufgebracht, als diesen toten Knaben findet und lüncht ein Stadthalter, wo sich aber rausstellt, dass der das gar nicht war.

00:24:20: Also es kommt zu einem Blutrausch.

00:24:21: Und Godinov als legitimer Herrscher.

00:24:24: jetzt – und das macht ihm wiederum tatsächlich zum Anti-Helden oder da schimmert das auf, dass die Geschichte irgendwie nicht sehr positiv ist – lässt aus Rache zweihundert Bürger hinrichten, weil eben andere Bürger diesen Staat Erteilter gelünscht haben.

00:24:39: Und die Zarenwitwe, wir haben von verschiedenen Frauen gesprochen, Fiora und Dimitri unterschiedliche Mütter aber die Mutter von Dimitry wird ins Kloster geschickt von Boris.

00:24:49: Jetzt ist der Weg natürlich frei, aber man weiß bis heute nicht... Damals gab es auch Gerüchte, ob wirklich Boris derjenige welche war, der den Klein Dimitri umgebracht hat oder Umbring hat lassen.

00:25:02: Das ist eigentlich die Vorgeschichte, die man wissen muss.

00:25:05: Also dieser Mord ist ein zentrales Motiv, auch wenn man den dann später in der Oper nie sieht...

00:25:12: Genau weil er wird schon geschehen sein?

00:25:14: ...actionlose Geschichte eigentlich, die wir dann sehen werden.

00:25:17: und dann passiert etwas, wo man sich auch fragt wie ist das möglich?

00:25:22: Klingt wie erfunden.

00:25:23: Also wie viele Jahre vergehen da?

00:25:25: Fünfundzwanzig oder so.

00:25:27: Jedenfalls viel Zeit.

00:25:28: dann gibt es einen wie man heute weiß Mönch der sich als der vermeintlich umgebrachte Dimitri ausgibt.

00:25:37: Der sogenannte falsche Dimitrie

00:25:39: der falsche Dimitri.

00:25:40: Und er zieht dann mit einem Heer aus Polen, wo er Unterstützung erfahren hat, ... um Boris abzusetzen und sich selbst als vermeintlich legitim Herrscher wieder einzusetzen, wobei das ist gesichert.

00:25:56: Es war nicht der richtige Dimitris, sondern einen Mönch, der sich dafür ausgegeben hat.

00:26:01: Dann kommt es auch wieder zu etwas, wo man sagen würde, dass hat sich irgendjemand ausgedacht.

00:26:05: bevor er Moskau errobern kann, stirbt Boris.

00:26:10: Wahrscheinlich an einem Schlaganfall.

00:26:11: aber es gibt natürlich dann wieder die wildesten Gerüchte dass er sich selber umgebracht hat weil der Krieg aussichtslos gewesen wäre und so weiter.

00:26:19: Und dann kommt dieser Dimitri.

00:26:21: ein Jahr regiert da und wie's dann halt so ist wird er auch wieder umgebracht.

00:26:26: Dann kommen die Romanovs an die Macht die ja bis zur russischen Revolution Russland Regieren, also es ist quasi ein Moment der großen Unsicherheit für Russland.

00:26:37: und diesen Moment beschreibt Mussorgsky oder beschreibt Puschkin in seinem Stück.

00:26:41: Und das Stück war lange verboten weil ich glaube hauptsächlich aus dem Grund dass der Zar nicht auf einer Bühne dargestellt werden durfte.

00:26:49: Das war glaube ich das

00:26:51: Hauptgrund, dass da auch sehr viel politischer Sprengstoff in dem ganzen Stück enthalten ist.

00:26:57: Man muss dazu sagen, dass das Stück vom Pushkin landläufig wird es als Miss Lungen bezeichnet.

00:27:02: Ich glaube Pushkin wollte da Shakespeare nacheifern.

00:27:05: aber die allgemeine Meinung über das Stück ist, dass es nicht wirklich gelungen ist und es gibt tatsächlich auch ein Fragment von Schiller Dimitrios.

00:27:13: Der hat auch versucht diese Geschichte zu dramatisieren.

00:27:16: Wenn man sie so hört, leuchtet das ja unmittelbar ein.

00:27:19: Weil es wirklich wie echter Shakespeare wirkt mit Königsmord und Doppelgängern usw.

00:27:24: Das Spannende ist Mosorgski.

00:27:27: jetzt nicht eine Eins-zu-Eins-Vertonung von dem Stück vom Pushkin sondern Mosorgsky Und das macht ihn eigentlich schon wieder fast ähnlich wie das ganz am Anfang Richard Wagner erwähnt.

00:27:36: Er is auch einer der nicht nur die Musik schreibt Sondern auch teilweise das Libretto aber ganz offensichtlich ne klare dramaturgische Vorstellung hat was auch sehr erstaunlich ist, finde ich.

00:27:48: Also so eine Doppelbegabung... Was macht jetzt Musorgsky aus dieser historischen Vorlage?

00:27:55: Das finde ich nämlich das Spannende, dass er Stichwort kompliziert oder sprühte.

00:28:00: Also anstatt die Handlung mit Action anzureichen beschreibt er eigentlich den gegenteiligen Weg hatte ich das Gefühl.

00:28:07: Wie gliedert nun Musorgski diese Oper?

00:28:10: Er

00:28:10: sucht sich also Szenen aus dem Pushkin-Stück raus Und dadurch entsteht auch diese Fragmentiertheit.

00:28:16: Das sind einfach nur einzelne Szenen und vielleicht ... Deuten wir die Handlung mal kurz an im Ablauf dieser Szenen.

00:28:23: Die erste Szene, die er auswählt ist eine Szene vor den Mauern eines Klosters wo Boris Gotunov anscheinend anwesend ist in Kloster und da wird die Bevölkerung von mehreren Polizisten gezwungen zu jubeln Und Boris mit Kören dazu aufzufordern sich zum Zaren gründen zu lassen.

00:28:39: Das heißt der Dimitri ist so eben ermordet worden.

00:28:42: uns gibt dieses Machtvakuum und die Bevölkerungs wird gezwunken hier das zu wollen damit man sagen kann, die Leute wollten den.

00:28:50: Und die nächste Szene ist dann gleich die Krönungsszene, die sehr berühmt ist mit dem unglaublichen Glockenspiel Und die ist ganz und gar verstörend, finde ich.

00:28:58: Weil es von größter Feierlichkeit und auch natürlich szenisch immer sehr beeindruckend.

00:29:04: Dann kommt dieser Boris der da gekrönt wird und er ist voller Zweifel!

00:29:08: Also der wendet sich so ans Volk aber der sagt nicht hier ich bin's sondern... Der ist voeller Zweifl ob er der Richtige ist und der ist depressiv.

00:29:17: Das muss man auch sagen bei Pushkin oder bei Mussorgsky.

00:29:20: Da gibt es gar keinen Zweifel daran, wer diesen Dimitri ermordet hat.

00:29:23: Das hat Boris gemacht also der hat diesen Mord in Auftrag gegeben und er leidet daran im allerersten Moment seiner Machtagrafe.

00:29:31: dann wird er zah.

00:29:32: Diese Szene dauert zehn Minuten also höchstens.

00:29:34: das ist kurz und knapp.

00:29:36: Dann gibt's eine Szene in einem Kloster wo ein alter Mönch die Geschichte Russlands aufschreibt Und er schreibt eben auch die Geschichte von diesem Dimitrie und einen junger Mönche der so sein Assistent is.

00:29:49: der erfährt von dieser Geschichte und fast den Plan nach Russland zu gehen, als falscher Dimitri die Macht zu ergreifen.

00:29:58: Und dann als nächstes gibt es eine Szene in einem Wirtshaus an der Grenze wo dieser Dimitry schon auf der Reise nach Russlands ist und da halb erkannt wird und nur durch einen Trick die Grenzpolizei von sich abschütteln kann.

00:30:12: Es ist ne wichtige Szene weil zum ersten Mal so das Volk unter sich ist und spricht.

00:30:17: Und da werden Wirtshaus-Lieder gesungen, das ist wichtig für Mussorgsky um dieses Lokalkolorit auch irgendwie zu etablieren.

00:30:24: Die nächste Szene ist dann in den Privatgemächern des Zahren wo man die Kinder des Zahlen kennenlernt der zahl kommt dazu zu deren Spiel beziehungsweise die Tochter ist schon älter ihr Verlobter ist gerade gestorben das heißt dies in Trauer und der Bub ist noch ganz klein.

00:30:39: der studiert so die Landkarten von Russland wie man sich das halt so vorstellt.

00:30:43: so ein junger Herrscher Und da kommt der Zahr dazu und er ist von großer Zärtlichkeit mit seinen Kindern, als Privatperson lernt man ihn dann plötzlich kennen.

00:30:54: Und ein liebender Vater, der auch seinen Sohn versucht drauf vorzubereiten auf diese große Aufgabe.

00:31:00: Die ihm da eines Tages vielleicht bevorstehen wird selber zahl zu werden.

00:31:05: und über dieses Gespräch kommt Boris wieder in Gedanken, in Depressionen zu seiner eigenen Unfähigkeit auf die Zukunft von Russland, die er äußerst dunkel sieht.

00:31:16: Da kommt ein Boyar, also so'n russischer Adliger, der dazukommt und den Toten Dimitri gesehen hat war und hier erstmals kriegt Boris Halluzinationen, also wie aus so einer Panik flüchtet er sich in einen Wahnsinn.

00:31:32: Also eine Art Macbeth-Syndrom oder dieses Schuldgefühl das ihn da übermandt.

00:31:38: Es

00:31:38: ist ne klassische Wahnsinnszene, wir reden noch nicht über die Musik aber es ist natürlich ne ganz außergewöhnliche

00:31:45: Außergewöhnliche

00:31:46: Szene,

00:31:47: eine der beiden großen Boris-Szenen.

00:31:49: Wo er dann auch immer wieder in so einem Sprechgesang verfällt und dann nur noch so ruft über die Musik.

00:31:56: Also es ist richtig, wenn ich nur daran denke kriege schon

00:32:00: ein Gänsehaut.

00:32:01: Ja wirklich verstörend!

00:32:02: Und dann ja dann kommt schon die letzte Szene Die Boyaren, die haben wie so einen Senat in Versammlung dieser Art liegen.

00:32:10: Vorher wurde Boris eben auch gesagt dass diese Dimitri auf Moskau zukommt und in dieser Versammelung wird dann entschieden das dieser Dimitrie weg muss und der falsche Dimitris usw.

00:32:21: Aber dieser Boyar oder verhasste Vertraute von Boris aus der Szene davor erzählt der Versammlung auch, dass er durch Schlüsseloch den Zaren in Wahnsinn gesehen hat, sodass er auch natürlich seine Autorität untergräbt.

00:32:36: Und dann kommt Boris und wird von dem Mönch aus der zweiten Szene... Besuch, der bittet vorgelassen zu werden.

00:32:43: Und er erzählt ihm noch mal die Geschichte von Dimitri, die er damals aufgeschrieben hat vom kleinen Dimitrie und auch das dessen Grab jetzt so als Wallfahrtstätte benutzt wird und dass dort Wunder geschehen.

00:32:55: quasi

00:32:56: Gott.

00:32:57: Genau, quasi Gott ist auf der Seite dieses Knaben und Boris hat dann eine weitere große Halluzinations-Szene und stirbt.

00:33:06: Also Boris abschied uns.

00:33:07: so endet diese oper.

00:33:09: in der ersten fassung sind

00:33:10: das eigentlich drei akte oder vier akte.

00:33:12: das ist dann so in teilen mit zähnen.

00:33:15: also da hat er es extra vermieden auch dass so in akte Das heißt dann teil eins teil zwei teil drei weil das

00:33:22: fand ich auch stichwort kompliziert etwas verwirrend weil man gar nicht die aktstruktur In dieser urfassung hat die man so als opangänger eigentlich erwarten würde.

00:33:32: ne man fragt wo ist jetzt der dritte akt?

00:33:34: sind es drei oder vier?

00:33:36: so?

00:33:36: das is Das schreibt er in, wenn ich das richtig gesehen habe, acht Monaten.

00:33:43: Was auch eine sehr kurze Zeit.

00:33:46: Man muss sagen, Erg benutzt natürlich alles was er bis dahin geschrieben hat.

00:33:49: so ziemlich kommt da rein in dieses Stück und er schreibt in diesem Stil wie er diesen ersten Akt von der Hochzeit geschrieben hat.

00:33:56: also es ist eine Mischung aus einem monodistischen recitativen Stil aber angereichert natürlich was alle üben an Boris lieben, was ich auch heiß liebe mit diesen russischen Kören die wunderschön sind wirklich und das sind nicht liturgische Melodien sondern Melodin die er erfunden hat in diesem liturgischen Stil.

00:34:18: Und die mich immer so ganz besonders ansprechen auf eine ganz eigene Art wie... Das passiert nur in diesen Mosokski-Stücken so für mich.

00:34:26: Und aus diesen Elementen hat er dieses Stück geschaffen.

00:34:30: und das ist ein radikales Werk, weil es gibt es halt so ein paar Themen und es gibt eben diese melodiosen Köre aber es gibt wahnsinnig viel auch einfach Musik die sehr recitativisch ist und die einfach Text den Text so naturgetreu wie möglich nachstellt.

00:34:45: Es ist eine Musik in der es viele viele Pausen gibt.

00:34:48: also wenn jemand nachdenkt dann schweigt alles Und dann geht es wieder los.

00:34:53: Also das ist nicht leicht, dass da so richtig ein Fluss kommt beziehungsweise will er den Fluss eben auch oft unterbrechen.

00:35:00: also alles was an konventionellem Opern schreiben was es so gibt um sich und er kennt ja auch die Berdiopern Das macht er alles nicht, er geht absolut seinen eigenen Weg.

00:35:10: Und dann gibt es eine Audition im Marinsky Theater?

00:35:13: Dazu muss man glaube ich sagen, offensichtlich war es so wenn man aufgeführt werden wollte in Marinski Theater und man wollte Marinski Theatre als Opernkomponist natürlich aufgeführten werden musste man eine sehr strenge Jury überzeugen.

00:35:28: Es waren glaube ich sieben, wenn ich richtig gelesen habe und also er ist neunsechzig fertig.

00:35:32: Siebzig bewirbt er sich.

00:35:34: Achtzehn-Siebzig mit der Oper und im Februar achtzehneinundsebzig.

00:35:38: Also eineinhalb Jahre nach Fertigstellung ist auch hart für den Komponisten kriegt er den Bescheid wie das Gremium sich entschieden hat?

00:35:47: Und dass es echt niederschmetternd sechs zu eins, dass es nicht angenommen wird... Ist für dich.

00:35:52: also du hast alles gesagt was für uns heute revolutionärs.

00:35:56: aber für damalige Ohren wenn ich völlig konfus wirkte, ist für dich dieses Votum nachvollziehbar?

00:36:03: Warum sich da sechs Leute dagegen entschieden haben.

00:36:07: Ja also es ist nachvollziebar einfach weil es eine Begründung gab und die Begründung war Es gibt keine weibliche Hauptfigur und so ne Oper ohne Frauen Das kannst du vergessen, das wird niemals auf die Bühne kommen.

00:36:20: Und es hat auch nur so lange gedauert eigentlich weil die nächste Saison war schon fertig geplant.

00:36:25: dann haben sie das für die Audition fürs nächste Jahr.

00:36:27: also das war alles ein bisschen ungünstig vom Timing.

00:36:30: gut und das sagen Sie ihm und er ist zwar fertig aber er nimmt es ganz gut wahrscheinlich weil er irgendwie schon während der Komposition gedacht

00:36:39: hat

00:36:39: Das könnte man auch noch anders machen.

00:36:42: Das fand ich das Erstaunliche, ja?

00:36:43: Ich meine, das kennen wir alle, wenn man dann so eine Jury-Entschaltung ... Und das ist ein hartes Feedback gewesen.

00:36:50: Normalerweise würde ich sagen psychologisch Zusammenbruch oder Ablehnung.

00:36:54: Bei ihm hat man so das Gefühl, dass er sich sofort ans Werk macht in der Bearbeitung.

00:37:00: D.h.,

00:37:00: er hatte nicht nur sofort Ideen wie man es noch besser machen kann sondern er hatte anscheinend auch das nötige Selbstvertrauen und die Motivation sich da nochmal ran zu setzen, also auch Stichwort vorher nur Fragmente geschrieben.

00:37:13: Das finde ich das Erstaunliche!

00:37:14: Also er reist sich da wirklich zusammen und schafft dann innerhalb von, ich glaube einem Jahr eine zweite Fassung.

00:37:22: Es ist nicht nur ein Akt der eine starke Frauenfigur vorstellt sondern er hat das ganze Stück noch mal umgeschrieben bereichert.

00:37:30: wenn ich es richtig gelesen habe aus zwei Stunden wären jetzt ungefähr drei Stunden.

00:37:34: Weißt du denn, was er da eigentlich jetzt neben dem Akt zu dem du vielleicht dann auch ... Was er da ja jetzt eigentlich groß geändert hat?

00:37:42: Er hat einige Szenen gekürzt.

00:37:43: Er hat Szenes umgestellt.

00:37:45: Er hatte die Szene mit dem Zahl als Familienvater also in den Gemächern des Zastis sehr expandiert.

00:37:51: Da ist noch viel mehr Unterhaltung zwischen seinen Kindern und ihm Und der Junge singt so eine lustige Geschichte Die passiert es wo der Papagei weggeflogen ist.

00:38:00: Also da ist noch viele mehr so Volkstümlichkeit.

00:38:03: Und der Akt ist, der sogenannte Polenakt, der nämlich in Polen spielt – sagen wir gleich noch – was da passiert?

00:38:10: Ist ganz toll!

00:38:12: Also für mich teilweise die schönste Musik in dieser Oper und ich glaube dass er einfach wenn du diese Fortschreitung seiner Entwicklung siehst, er schreibt diesen Akt von der Hochzeit so ein radikales Stück das rein recitativisch ist.

00:38:26: dann schreibt er dem Boris immer noch stark unter dem Einfluss von Balakirev und von Kui und von diesen mächtigen Häuflern, die ihm sagen das ist jetzt deine Chance.

00:38:34: Jetzt kommt eine Oper raus, die muss radikal werden du musst unsere Standpunkte

00:38:39: vertreten.".

00:38:40: Da macht er das und dann sagt die Kommission ja so können wir das nicht aufhören.

00:38:44: Das ist einfach seine Gelegenheit sich von diesem Diktat des Balakires zu lösen mit der quasi Entschuldigung dass sonst hätte das Stück niemals gespielt werden können.

00:38:53: denn alles was er hier dazu fügt macht es stück leichter anhörbar, macht das Stück melodiöser.

00:38:59: Das Stück auch menschlich emotionaler.

00:39:02: es gibt eine Liebesgeschichte kann man ja kurz es ist schnell erzählt.

00:39:06: dieser Polenakt sind zwei Szenen die er ursprünglich auch vorgesehen hatte zur Komposition und dann sich entschieden hat wegzulassen Und die er jetzt wieder rein nimmt in die Konzeption.

00:39:15: In der ersten Szene ist eine junge polnische katholische, wichtig Adlige die dort von ihren Frauen umgeben ist und die Reich und Schönes aber die sich dort Langwald und deren Sinn nach Ruhm und Größe steht.

00:39:29: Und ein italienischer Priester so'n Machiavelli-Typ Rasputin Machiaveli der ihr sagt da gibt's jetzt diesen Dimitri er kommt hier demnächst durch und den musst du um den Finger wickeln und durch den kannst Du dann Zarin werden und dann kann Russland endlich katalysiert werden.

00:39:46: also das ist deine Motivation.

00:39:48: Nächste Szene ist dann wieder dieser Ragoni, dieser italienische Mönch, der dem Dimitri sagt du musst das schaffen.

00:39:54: Du musst nach Moskau und also den quasi bestärkt und er ihm auch sagt natürlich muss das dann katholisch werden.

00:40:01: Und dann die großartige wunderschöne Liebeszene wo sie ihn erst mal... Also er ist sofort verliebt weil er sie sieht, weil sie wunderschön ist.

00:40:08: Es ist sowieso eine Sommernacht und diese Einleitung von diesem Mondscheinen Musik da alles ein Traum.

00:40:13: Aber er ist ihr zu schwacher.

00:40:15: Sie sagt, was bist du für ein Waschlappen?

00:40:18: So Typen wie dir hab ich überhaupt kein Interesse.

00:40:20: Außer du würdest mal irgendwas Entscheidendes schaffen im Leben.

00:40:23: und dann sagt er nein, ich will ja eigentlich zahr werden.

00:40:25: Und das ist sowieso mein Ziel.

00:40:27: Dann sagt sie okay, dann bin ich mit dir und da ist er dann bis zur Kampfbereitschaft gestärkt zieht er weiter nach Russland.

00:40:34: Das ist dieser Akt klar irgendwie eingeschoben basiert aber trotzdem auf Pushkin Material und wenn auch länger, aber letztlich viel anhörbarer war mein Gefühl.

00:40:46: Fassettenreicher, farbiger... Wobei diese Maria ist ja wieder keine sehr sympathische Figur also eine richtige Liebe.

00:40:53: Total berechnet die.

00:40:54: Das alles intrigant und wie du sagst berechnend.

00:40:58: Also alles Figuren mit dem man sich eigentlich nicht wirklich identifizieren möchte oder mit denen man mitteilen würde.

00:41:04: Diese neue Fassung stößt dann wieder auf Ablehnung erst mal.

00:41:09: So

00:41:09: ein bisschen kurz?

00:41:10: Ja!

00:41:11: Aber nachdem dann Stücke daraus aufgeführt werden und das finde ich das Erstaunliche.

00:41:15: Normalerweise ist es ja so umgekehrt, aber dass die Kritiker etwas toll finden und ihr das Publikum eher nicht was innovativ ist da ist es umgekehrt.

00:41:24: Das Publikums nimmt diese Auszüge anscheinend mit Ovationen an sodass dann, die überarbeitete Fassung urauf geführt wird und anscheinen ein Sensationserfolg also die Rede ist davon vor den Vorhang kommen muss, der wird gefeiert.

00:41:43: Es ist unglaublich während die Kritik sehr zwiegespalten ist unter anderem eben auch Freund Kui vom mächtigen Häufler, der eigentlich schreibt dann, die Szenen sind beliebig austauschbar denn Boris Gordinoff is keine Oper sondern eine Abfolge von Szenem.

00:42:00: also gerade das was wir

00:42:02: revolutionär

00:42:03: Ja, stimmt auch.

00:42:04: Aber es ist eine wahnsinnig lange Kritik.

00:42:06: Ist abgedruckt und einer der Biografien sehr negativ.

00:42:09: Also versucht dann schon...

00:42:11: Es war schon ein richtig gemein, muss man sagen.

00:42:14: Der Knie war wirklich sehr eifersüchtig.

00:42:17: Und Musorgsky hatte hier im Grunde verwirklicht was ihm vorgeschwebt hat.

00:42:22: angesichts des Erfolgs kann er es nicht ertragen und macht ihn fertig.

00:42:26: Und das hat sicher auch zum ewigen Bruch zwischen den beiden dann geführt, aber ich würde gerne jetzt wo wir das Stück so ein bisschen vorgestellt haben vielleicht kann man auch noch sagen dass die Schluss-Szene und das finde ich irgendwie entscheidend Die Schluss- Szene hatte er auch verändert und zwar hat der Tod von Boris hat er nicht am Schluss gelassen sondern er hat eine andere Szene dahinter gestellt Eine Volksszene und zwar eine Szene wo ... vor die... Die Leute warten auf den Dimitri.

00:42:55: Dann heißt es, dem Dimitris gestorben und dann wird jemand gelündigt.

00:42:59: Es stimmt gar nichts, war nur ein Gerücht ... Es ist schon wieder Chaos ausgebrochen nach dem Tod von Boris.

00:43:05: Und Dimitry steht also vor den Toren Moskau.

00:43:08: Man weiß, er wird kommen.

00:43:10: Und die Leute strömen dem entgegen und verlassen die Bühne.

00:43:14: Und es bleibt übrig.

00:43:15: einen Nahr der vorher in der Oper schon mal vorgekommen war taucht jetzt wieder auf und der singt ein Lied, wo er das Schicksal Russlands beweiht.

00:43:26: Dramaturgisch natürlich auch eigentlich etwas was man so nicht macht.

00:43:30: die ursprüngliche Fassung ist eigentlich die logische Fassung dass man mit dem Tod der Titelfigur endet und jetzt endet es ja ganz also ohne irgendwie Tutti Fortissimo sondern es verklingt eigentlich so Ja ich glaube es ist armes Volk Ich weine Ja, es ist eine wahnsinnig depressive Musik eigentlich die so

00:43:51: viel lauferklinkt.

00:43:52: Irgendwo hab ich's gelesen, an Depression und Dunkelheit nur mit dem Schluss von WhatsApp zu vergleichen.

00:43:58: Genau so, das stimmt

00:43:59: genau!

00:44:00: Wenn ich jetzt das im Ohr habe, kriege ich jetzt Gänsehaut weil es wirklich ... Es geht einem so unter die Haut dieser Gesang von diesem Gottesnaren was ja auch so eine unglaublich typisch russische Figur ist toll.

00:44:10: Ich

00:44:10: glaube aber ich finde diesen Schluss trotzdem schlüssiger als den anderen denn er hat ja angefangen mit dem Volk dass da gezwungen wird zu jubeln Und das Volk kommt immer wieder vor und so endet es auf mit dem Volk und mit diesem, mit dem Schicksal dieses Volks.

00:44:24: Denn es geht... Und das ist vielleicht das Beantwortet diese Fragen.

00:44:27: Es geht ihm gar nicht um diesen Boris oder um den Dimitri.

00:44:30: Oder es geht ihm um Russland und es geht eben um dieses russische Volk.

00:44:34: Und die Personen, die dort handeln und die mit dem schicksal des Volks spielen und sich an sich reißen, die macht oder die die Macht verlieren, sind natürlich irgendwie die entscheidenden Personen dieser Zeit und dieser Oper.

00:44:49: aber Es ist die Geschichte dieses Volks und was mit denen gemacht wird.

00:44:53: Und also, die Eltern hatten ja auch Leib eigene und er hat diese Befreiung der Leib eigenen... Das hat er sehr stark miterlebt.

00:45:02: Er hat dann sein Bruder damals diesen Gutshof übernommen und er hatte auch versucht ihm da zu helfen und das war eine wahnsinnig schwierige Zeit dass diese Bauern aus der Leib-Eigenschaft entlassen wurden, dass man denen dann helfen wollte irgendwie für Bildung und sich zu organisieren und selber Land zu besitzen.

00:45:19: Und das war alles viel zu schnell und es war ganz, ganz schwierig.

00:45:24: Er hat das auch so mitbekommen und miterlebt.

00:45:28: Das hat ihn glaube ich sehr beeinflusst diese Erfahrung.

00:45:32: Es bedeutete letztlich dass sie auch ihr Vermögen verloren haben, das er dann auch tatsächlich arbeiten musste in diesem Ministerium.

00:45:42: Und aber aus dieser Erfahrung raus, aus dieser Liebe für dieses Volk, aber auch aus dem Mitleid für dieses Volks und auch aus der totalen Desilusion mit Politik entsteht dieses Stück.

00:45:52: So gesehen ist diese spätere Fassung vielleicht noch schlüssiger.

00:45:55: Die erste Fassung wird heute meistens ohne Pause gespielt.

00:45:59: Das dauert dann so zweieinhalb Stunden sowie Rheingold oder so ist es ganz schön lang, kompakt und sehr beeindruckend.

00:46:06: So ein Stück ganz ohne Liebesgeschichte, wo es echt nur Politik ist.

00:46:10: Das ist beeindruckender.

00:46:11: Die zweite Fassung ist die bessere Oper würde ich sagen?

00:46:14: Auf jeden Fall die zugänglichere und facettenreichere wahrscheinlich.

00:46:19: Vielleicht machen wir da einen Sprung in die Problematik der Fassung weil mit diesen beiden Fassungen ist das ja nicht so Ende.

00:46:27: Also was passiert noch?

00:46:29: also... Es geht rapide bergab mit Musorgsky, um das ganz kurz noch zu Ende zu bringen.

00:46:34: Er

00:46:35: fängt noch zwei große Opern an.

00:46:36: Kovanskinner und der Jahrmarkt von Sorochinsi ...

00:46:39: Die er dann gleichzeitig komponiert?

00:46:41: Es gibt auch das Zitat von ihm Ich bin ein Kessel, der die ganze Zeit am Kochen ist Also eine wahnsinnige Kreativität was es um so bedauerlicher macht dass der Mann sich letztlich selbst zerstört hat.

00:46:53: Aber es passiert eben immer öfter, dass er

00:46:56: sich

00:46:57: einfach tageweise vollkommen betrinkt und auch monateweise gar nicht kreativ sein kann.

00:47:03: Also das Komponieren ist dann nur noch so in extremen Schaffensphasen, ziemlich bald nach dem Erfolg von Boris gerät er letztlich außer Kontrolle.

00:47:12: aber er schreibt noch ganz tolle Musik für die Kuwanschina und für diesen Marktplatz von Soricin.

00:47:18: beide Stücke wie sie hinterlässt sind nicht aufführbar Das sind nur Klavierskizze und da fehlen große Teile, obwohl er schon gesagt hat ja der zweite Akt ist jetzt fertig.

00:47:27: Es stimmt alles nicht!

00:47:29: Und dann kommt er auch technisch teilweise an seine Grenzen weil er nicht weiß wie er drei Bässe in einem Terzett gleichzeitig führen soll.

00:47:36: Da fragt er dann Rimsky um Rat.

00:47:37: also er kommt an seine grenzen aber er will das alles auch nicht wahrhaben und trinkt und er trinkts sich zu Tode

00:47:44: Stürbt.

00:47:45: Und Boris wird immer wieder aufgeführt, aber dann letztlich, wenn ich das richtig verstanden habe Geräte auch so bisschen zusammen mit dem Komponisten in Vergessenheit und es schlägt dann die Stunde von einem engen Freund von ihm vom mächtigen Häufler, mit dem er auch tatsächlich eine Zeit lang zusammen gewohnt hat gibt da ganz rührende Schilderungen wie die beiden sich quasi in Schicht das Klavier der Wohnung geteilt haben.

00:48:09: und Rimsky-Korsakov der Jüngere Sieht es der selber, also Scheherazade ist ja ein Schlachtrost des Konzertbetriebs.

00:48:16: Das kennt auch jeder, dass er selber einen hervorragender Komponist ist.

00:48:20: Sieht das irgendwie als seine Mission an?

00:48:23: Das Werk seines Freundes für den Konzernbetrieb oder für den Obereintbetrieb spielbar zu machen oder zu retten?

00:48:30: und das seltsame ist wenn man darüber liest wie Rimsky-Korsakow über Musorgsky gesprochen hat Es klingt schon sehr wie so eine Hassliebe irgendwie.

00:48:39: Einerseits hat das Gefühl, er sieht sehr viel in Mosorski aber in der Praxis überzeugt es ihn nicht.

00:48:45: Er hält ihn eigentlich für einen Stümper.

00:48:48: Zitat von Rimsky Ich vergöttre dieses Werk und gleichzeitig hasse ich es!

00:48:53: Naja...

00:48:55: Das bringt ihn dazu, jetzt seine eigene Version vom Boris zu schreiden.

00:49:00: Kennst du sie

00:49:00: gut?

00:49:01: Ich kenne die tatsächlich gut!

00:49:02: Ich kannte die lange auch besser als die andere.

00:49:04: Also bevor ich wusste

00:49:05: das es

00:49:05: da verschiedene Fassungen gab...

00:49:07: Was macht der Rimsky also?

00:49:08: dass er früherbarer wird?

00:49:10: Er verändert die Orchestrierung, er macht das alles so ein bisschen gefälliger.

00:49:14: vorher hatte ich erwähnt, dass die Musik oft so stehen bleibt in Wartepose oder Überlegung.

00:49:18: sowas eliminiert er, dass mehr zusammen musikalischen Fluss kommt.

00:49:22: dann ... problematischeren Eingriffe, dann gibt es Harmonien die sehr ... so harmonische Fortschreitungen die sehr eigenwillig sind bei Mussorgsky wo er immer stolz drauf war.

00:49:32: Wo er sagt ja ich kann sowas schreiben weil ich war nicht im Konservatorium deshalb.

00:49:35: So was das glättet er in der Orchestrierung schreibt er oft.

00:49:41: dann schreibt Mussorgsy irgendwie zwei Hörner und eine Klarinette und so ein bisschen so disperate Klänge Und da macht er gleich einmal vier Hörner und die ganzen Holzbläser, dann klingt das alles viel besser.

00:49:54: Dann fühlen sich die Sänger auch besser und so.

00:49:56: Natürlich schneidet der paar Sachen raus.

00:49:57: Da muss er teilweise neue Übergänge komponieren aber ... Das ist einfach so eine Bearbeitung.

00:50:03: Was er auch macht, was teilweise sehr gut ist, muss man sagen.

00:50:06: Mussorgsky neigt dazu die Gesangslinie der Sänger in einer ähnlichen ... Man sagt da Tessitura zu halten.

00:50:13: In einem ähnlichem Tonumfang und Rimsky, also gerade zum Beispiel auch in den großen Baure-Szenen geht er dann am Schluss eine Oktave höher weil die Stimme oder eine Quinte verändert den Duktus, weil es für dramatischer ist.

00:50:25: Weil die Stimmer besser durchkommt wenn sie höher ist.

00:50:28: Also da hat er dann einfach auch viel mehr Erfahrung.

00:50:31: und dass er das so verachtet, also Ravel hat auch gesagt La Mer von Debussy ist das beste Stück was hier geschrieben wurde.

00:50:39: Ich wünschte ich könnte das noch mal neu orchestrieren oder so.

00:50:43: Das sind vielleicht auch so Komponisten unter sich.

00:50:45: sicher is für Rimsky der lange Zeit auch Mussorgsky sehr bewundert hat Das einfach auch so schmerzlich zu sehen, dieses große Talent und dass das Stück sich im Wege steht.

00:50:58: Also diese komische Abgewandte teilweise auch unerfahren, teilweise Unwissenheit von Moskoxid, wo er sich selber einfach keine Gefallen tut.

00:51:05: Und man muss ja sagen ich hatte mir das rausgeschrieben.

00:51:09: Ich finde es nicht aber ungefähr.

00:51:12: Zu Moscoxids Lebzeiten wurde das Stück zwanzigmal aufgeführt.

00:51:15: Es ist nicht gerade viel in den ersten zwei Saisons relativ viel dann nicht mehr Und dann war es vergessen.

00:51:22: und Rimsky hat alle Stücke von Mussorgsky überarbeitet.

00:51:26: Er hat zum Beispiel die Kovanskine in einen aufführbaren Zustand gebracht, also der hat sich unglaublich verdient gemacht.

00:51:32: er hat das gleiche in der Woche nach seinem Tod gesagt ich diesen Freundschaftsdienst werde ich ihm leisten und er ist im Grunde erst Jahre später dazugekommen weil er selber ja auch.

00:51:41: der hat ja auch fünfzehn Opern geschrieben und unglaublich prolific.

00:51:46: Aber es kommt dann zu einer interessanten Geschichte, wo Serge Diageleff eine Figur...

00:51:52: Der

00:51:52: große Impressario.

00:51:53: ...der das Ballett Rüß nach, also diese russische Musik nach Paris gebracht hat der Sakre und Feuervogel und Petruschka in Auftrag gegeben hat

00:52:04: etc.,

00:52:04: etc.. Der als junger Student hat dem Boris noch gehört und der sagt, das ist die Oper, die ich nach Paris bringen muss.

00:52:12: Aber so wie sie ist kann man das nicht machen!

00:52:15: Hier muss Rimsky ran und dann muss Rmski, der eh gerade dransitzt, sagt er ja das ist perfekt.

00:52:21: und dann sagt er ihm noch in die Krönungsszene muss länger usw.

00:52:25: Und diese Fassung einen Sensationserfolg in Paris.

00:52:30: Und das ist das Erste, was Jagi Leff präsentiert.

00:52:33: Das ist, glaub ich, four oder so und es wird eine Riesengeschichte.

00:52:37: ja und in der Fassung wurde das Stück dann lange gespielt.

00:52:41: Dann in der Sowjetunion gab's noch ne andere Fassung von einem Musikhistoriker, der dann alle Szenen auf einmal reingepackt hat.

00:52:48: also der Monsterboris wo alles... Also da ist gar keine Dramaturgie mehr.

00:52:52: die hat zum Beispiel Rostropovich aufgenommen.

00:52:57: Interessante und komplizierte Geschichte.

00:52:59: Rimsky hat auch gesagt, ich habe das jetzt gemacht damit dieses Stück mal gespielt wird.

00:53:04: Und wenn in vierzig Jahren die Leute sagen oder fünfzig sie wollen zur Urfassung zurückzugehen von mir aus.

00:53:10: Das macht es eigentlich

00:53:11: auch sehr ehrenhaft.

00:53:13: Ja ja irgendwie finde ich

00:53:15: schon.

00:53:15: Es gibt ja auch noch kurioserweise eine Fassung von Shostakovich dem Großen.

00:53:20: Gibt es auch?

00:53:21: dem großen russischen Koponisten, der ganz klar von Musorgsky kommt.

00:53:26: Was den Wahnsinn und das düstere und das silbergraue betrifft.

00:53:30: Der interessanterweise eben auch dann gesagt hat er liebt dieses Stück.

00:53:34: aber Zitat es ist wie von einem Schüler orchestriert also auch seine merkwürdige herablassende Art.

00:53:40: wo man bei Shostakovich eigentlich denken würde der müsste eigentlich dass bahnbrechende dieses Sprüden, Charakters des Stückes erkennen.

00:53:49: Aber wenn

00:53:50: du z.B.

00:53:51: Shostakovichs Fassung von der Rovanskina hat er nämlich auch noch seine eigene Fassung gemacht zusammen mit Stravinsky

00:53:58: und Ravell... Das war

00:54:01: für so Fernsehproduktionen aber das klingt einfach sowas von toll und reich und attraktiv und exotisch.

00:54:12: Ja, also man weiß schon was er meinte.

00:54:15: Aber natürlich, der Musoxi selber war dieser komische Kantige ich glaube unglaublich sympathisch, unglaublich großzügig und äußerst komplizierte und ja schmerzensgepeinigter Mann.

00:54:31: aber der hat uns dieses Stück... Und im Grunde ist es fast das einzige was wirklich nur von ihm ist und wirklich vollendet außer jetzt die ganzen Lieder Und die paar Stücke, die wir vorgesagt haben.

00:54:41: Aber es ist ein Leben voller Fragmente und mit ... Wie alt war er wohl gestorben?

00:54:45: Ist das einunviertzig?

00:54:47: Zweiundvierzig.

00:54:49: Das ganze Leben natürlich einen Fragment.

00:54:51: Ich

00:54:52: glaube, das ist ein gutes Schlusswort und auch eine gute Überleitung zu der nächsten Folge unseres Podcasts über ein Werk, dass man wahrlich kein Fragiment nennen kann, wobei es da mit den unterschiedlichen Fassungen sehr ähnlich ist wie bei Boris.

00:55:08: Interessant!

00:55:09: Und auch selbe Zeit.

00:55:11: Eigentlich haben die beiden Werke wirklich sehr viel zu tun miteinander, worum geht es, Philipp?

00:55:16: Was werden wir besprechen?

00:55:17: Es geht um Leftholsteris Krieg und Frieden!

00:55:20: Ich freue mich sehr darauf, mir sehr gespannt wie du diesen Roman finden

00:55:25: lässt.

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